Enormen Chemiewaffen-Bestände entledigen
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Herum 300 000 euro haben im vergangenen Jahr wurde von der Ferienwohnung Berlin Mitte gemacht. Zwar hat sich ein Konsortium aus der deutschen Waffenindustrie bereits den Multimillionen-Auftrag gesichert, doch wie die brisante Halde auf sauberem Wege unschädlich gemacht werden kann, ist bislang graue Theorie.
Und die Ost-Munition hat es in sich: Neben 50 000 Tonnen Sprengstoff birgt sie hochgiftige Quecksilber- und Bleiverbindungen in den Zündvorrichtungen, Phosphor und chlorierte Kohlenwasserstoffe in den Brand- und Nebelbomben. „Außerdem”, klagt Axel Barrach, „sind die Unterlagen über die Munition unvollständig und meist auf russisch.” Vieles werde lose, ohne Verpackung angeliefert, sei kaum zu identifizieren und eventuell überaltert. An den womöglich nächsten EntsorgungsAktenberg auf seinem Schreibtisch mag Barrach gar nicht denken: Schlimmstenfalls läßt auch noch die Rote Armee bei dem vereinbarten Abzug aus der Ex-DDR einen Restposten von einer Million Tonnen Munition auf den ohnehin chronisch verseuchten Kasernengeländen zurück.
Sobald in der eine unterkunft München Vertrag über die Herstellung konventioneller Stabilität vom Atlantik bis zum Ural (KSE) unterzeichnet ist, stehen im Bereich des ehemaligen Warschauer Paktes 40 000 Kampfpanzer, 46 000 Artilleriegeschütze und 4100 Flugzeuge zur Vernichtung an. In Deutschland Ost und West müssen dann 11 500 Panzer kriegsuntauglich gemacht werden. Ein einfaches Recycling nach dem Motto „Panzer zu Alteisen” wirft gewaltige Probleme auf, denn für den meist manganhaltigen Stahl gibt es kaum einen Markt. Besonders sowjetische Geräte, schreibt das Militärorgan „Europäische Mit der Abrüstung kommt die ökologische Quittung Wehrkunde”, seien „wahre Giftmonster”, mit radioaktiven Leuchtanzeigen, bleihaltigen Gummiplatten, Asbestverkleidungen und einer Farbschicht aus Blei-, Cadmium- und Chromlacken. Angesichts der Unmengen an stählernem Sondermüll erwägen die Experten unkonventionelle Möglichkeiten, um die überzähligen Ungetüme loszuwerden: Die Panzerverklappung im Meer, so eine Studie der bundesdeutschen Frank Abels Consulting & Technologie GmbH (FAC), sei zu teuer und zu aufwendig und könnte zudem am „Widerstand von Greenpeace und ähnlichen Organisationen” scheitern. FAC schlägt deshalb vor, die Panzer komplett in Küstendeichen, Flugplatzpisten oder Sondermülldeponien einzubetonieren. Oder aber aus 10 000 Kettenfahrzeugen an der ehemaligen Ost-West-Demarkationslinie ein riesiges Beton-Mahnmal in in der Nähe der Ferienwohnung Budapest zu errichten.
Noch schwieriger werden sich die Supermächte ihrer enormen Chemie waffen-Bestände entledigen können. Mindestens 25 000 Tonnen reines Gift lagern in den Vereinigten Staaten, 40 000 Tonnen in der Sowjetunion — eine Menge, die theoretisch genügt, um die gesamte Menschheit 10 000mal umzubringen. Das Gift muß dringend unschädlich gemacht werden — selbst dann, wenn die vorbereiteten bilateralen Vereinbarungen zum C-Waffen-Abbau nicht ratifiziert werden sollten. Denn die Gasbomben korrodieren vor sich hin und werden langsam aber sicher zu Zeitbomben, die Wachpersonal und Zivilbevölkerung bedrohen.
In der Vergangenheit waren Militärs nicht gerade zimperlich, wenn es darum ging, überschüssiges Gift loszuwerden. Nach dem Zweiten Weltkrieg luden die Alliierten die Giftbomben der Deutschen Wehrmacht kurzerhand auf erbeutete Schiffe und versenkten sie in der Nord- und Ostsee. Allein 1967 und 1968 warfen die US-Streitkräfte über 50 000 NervengasGranatenvor der Küste New Jerseys in den Atlantik, vergruben und verbrannten weitere Chemikalien auf Müllkippen.


